Galvanische Mundströme

Haben Sie jemals eine Art Schock oder einen metallischen Geschmack im Mund gespürt, wenn Ihre Silber- oder Quecksilberfüllung oder Ihr Gold-Inlay mit einem Stück Alufolie oder einem Metalllöffel in Berührung gekommen ist?

The Battery in the Mouth

Was Sie da spüren, ist elektrischer Strom, genauer gesagt galvanischer Mundstrom. Dieser entsteht, wenn unterschiedliche Metalle über Speichel Ionen austauschen, ähnlich wie bei einer Batterie. Denselben Effekt beobachten wir manchmal in den Zähnen, in den Nerven oder woanders in unserem Körper. Das kann nichts Gutes bedeuten, oder? Richtig. Verschiedene Studien haben gezeigt, dass dies zu krebsähnlichen Zellveränderungen führen kann.

Galvanische Mundströme sind ein Phänomen, das auftritt, wenn jemand zwei verschiedene Metalle (Silber/Kupfer-Amalgam-Füllungen, metallische oder Metall-Keramik-Kronen, Gold-Inlays oder -Onlays) in der Mundhöhle hat. Der Begriff „galvanischer Strom“ wird in der Zahnmedizin seit 1933 benutzt. Man kann sich dies in etwa so vorstellen: Der Speichel arbeitet nach dem Prinzip eines leitenden Mediums. Die verschiedenen elektrischen Eigenschaften von Metall sorgen dabei für einen Austausch von Ionen. Haben Sie jemals eine Art Schock an Ihren Zähnen gespürt, wenn Ihre Silber- oder Quecksilberfüllung oder Ihr Gold-Inlay mit einem Stück Alufolie oder einem Metalllöffel in Berührung gekommen ist? Wir haben es hier mit demselben Effekt wie bei einer Batterie zu tun. Haben Sie schon einmal versucht, die Pole einer 9V-Batterie mit der Zunge zu berühren?

Es gibt zwei Arten von oralem Galvanismus:

  • Zwischen Restaurationsmaterialen oder Metallinstrumenten, die bei einer zahnärztlichen Behandlung in der Mundhöhle platziert werden: Befindet sich ein Zahn mit einer Amalgam-Füllung aus Silber, Kupfer und Quecksilber gegenüber oder in unmittelbarer Nähe eines Zahns mit einem anderen Füllmaterial, entsteht zusammen mit dem Speichel eine elektrische Zelle. Durch die Nähe der zwei unterschiedlichen Metalle zueinander erzeugt der Speichel einen elektrischen Strom, was zu einem metallischen Geschmack im Mund führt.
  • Zwischen metallischem Restaurationsmaterial und anderen Metallen, die mit dem Körper oder dem Mund in Berührung kommen: Kommen unterschiedliche Metalle indirekt in Kontakt, kann es passieren, dass elektrischer Strom durch den Zahnnerv fährt. Dies macht sich durch einen plötzlichen Schmerz bemerkbar und kann zu Überempfindlichkeit des Zahns führen.

Die neueste Forschung zeigt, dass der elektrische Austausch von Ionen zwischen verschiedenen Metallen in der Mundhöhle ein ernstzunehmendes Gesundheitsrisiko darstellt.

2012 hat ein Forscherteam unter der Leitung von Prof. Dr. Wilhelm Niedermeier der zahnmedizinischen Fakultät an der Universität Köln festgestellt, dass Galvanismus in der Mundhöhle Zellveränderungen hervorrufen kann, die mit den In-Vivo-Zellen des aggressiven Plattenepithelkarzinoms vergleichbar sind.1. 

Dass in der Vergangenheit in der Zahnmedizin die unterschiedlichsten Metalle zum Einsatz kamen, ist auf den Mangel an Alternativen wie Keramik oder Komposite zurückzuführen. In der modernen Zahnheilkunde verfügen wir glücklicherweise über eine große Auswahl an langlebigen, zahnfarbenen Keramikstoffen, nano-gefüllten Porzellan-Kompositen sowie über zuverlässige Klebesysteme, die den Einsatz von Metallfüllungen überflüssig machen. Der Vorteil der Keramikfüllstoffe und Komposit-Materialien liegt unter anderem darin, dass sie wie ein Isolator gegenüber elektrischem Strom wirken und deutlich biokompatibler sind als alle anderen Füllmaterialien. Aufgrund der toxischen Eigenschaften und der negativen Umwelteinflüsse haben Norwegen, Dänemark und Schweden den Einsatz von Amalgam, das in Silber- und Quecksilberfüllungen vorkommt, in der Zahnmedizin komplett verboten.

Costin Marinescu
Dr.-medic stom., D.D.S. (USA)


  1. Induction of apoptosis and up-regulation of cellular proliferation in oral leukoplakia cell lines inside electric field.
    Ahmed Korraah,BDS, MS, Margarete Odenthal, PD Dr., Marion Kopp, Dipl-Biol, Nadarajah Vigneswaran, DMD, DDS, Peter G. Sacks, PhD, Hans Peter Dienes, Prof. Dr. Med., Hartmut Stützer, Dr Med Dipl–Math, Wilhelm Niedermeier, Prof. Dr. Med. Dent.
    Oral Surgery, Oral Medicine, Oral Pathology and Oral Radiology, Volume 113, Issue 5, May 2012, Pages 644–654